Bericht vom 17.09.2009 JobCenter Berlin-Mitte


Am 17.09.2009 fand in Berlin eine weitere Aktion der Reihe „Keine/r muss allein zum Amt!“ statt. Nachdem bereits in den vergangenen Monaten den JobCentern Pankow, Neukölln und Friedrichshain-Kreuzberg ein Besuch abgestattet wurde, kam nun Mitte dran. Die Aktion war dieses Mal eingebettet in den bundesweiten Aktionstages „Wir zahlen nicht für eure Krise!“.

Gegen 9 Uhr versammelten sich ca. 30 Personen vor dem JobCenter Mitte in der Sickingenstraße. Das JobCenter war zu dem Zeitpunkt schon gut besucht. Eine Stunde später reichte die Warteschlage bis hinaus aus dem Gebäude über den Bürgersteig bis auf die Straße. Die Aktivist/innen boten den Leuten, die zu einem Termin aufs Amt mussten eine „Begleitung“ an, denn viele dieser Termine sind für die Betroffenen unangenehm, manchmal auch schickanös. Sie haben es oft mit verständnislosen oder herablassenden Sachbearbeiter/innen zu tun und oft ergeben sich Situationen, in denen es fast unmöglich ist, alleine seine Rechte durchzusetzen.

„3 Monate wurde mein Antrag verschleppt!“

Dementsprechend gut wird das Angebot angenommen. Darüber hinaus sind auch wieder Menschen vor Ort, die sich teilweise seit Jahren in unabhängigen Sozialberatungsstellen wie im Stadtteiladen „Lunte“ in Neukölln oder in der „Berliner Kampagne gegen Hart IV“ engagieren. Sie unterstützten mit ihrem Wissen und gaben Hinweise zum Umgang mit den Mitarbeitern des JobCenters, beantworten Frage zu Schreiben von den JobCentern und gaben rechtliche Ratschläge.

„Ich spreche nur wenig deutsch. Die Männer und Frauen wollen mich manchmal nicht verstehen.“

Einige Aktivist/innen führten wenige Meter entfernt Kurzinterviews durch und fragten nach konkreten Problemen, danach, wie die Einzelnen das System Hartz IV erfahren und was die Forderungen der Erwerbslosen sind. Bei diesem Befragungen zeigen sich viele Menschen aufgeschlossen gegenüber der Aktion und zeigen Sensibilität gegenüber den Problemen anderer Erwerbsloser und einen solidarische Grundeinstellung.

„Mit jemandem zusammen hingehen ist schon besser. Gerade Ausländer werden hier behandelt wie der letzte …“

Das ist aber bei weitem nicht bei allen Angesprochenen der Fall. Zuweilen ergibt sich auch ein Einblick in die Untiefen des Alltagsverstandes.

„So kann man kein Volk regieren. Wir brauchen einen König oder Hape Kerkeling.“

Ein Redner wies während dessen darauf hin, dass „Begleitungen“ ins JobCenter praktizierte Solidarität sind. Es ist Gegenwehr gegen die Zumutungen von Hartz IV und setzt bei den Bedürfnissen der Menschen an. Es kommt auch darauf an, abseits solcher öffentlichkeitswirksamen Aktionen, diese Form der Solidarität im Alltag zu verankern.

Zeitgleich mit der Aktion in Berlin Mitte fanden ähnliche Aktionen in mehreren Städten bundesweit statt, darunter Hanau, Mannheim, Karlsruhe, Köln, Jena und Oldenburg.